Archiv - Nds.Beratungsstelle für Sinti und Roma e.V.

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Roger Repplinger führte ein Interview mit dem Geschäftsführer der NDS. Beratungsstelle für Sinti und Roma:

Hannover Ahlem

Erster Spatenstich zum Baubeginn an der Gedenkstätte Ahlem vom 10.04.2013

Ausbau zum zentralen Bildungs- und Erinnerungsort für die Region Hannover
Die Gedenkstätte Ahlem ist ein bundesweit einmaliger Erinnerungsort: Erst diente die ehemalige Israelitische Gartenbauschule als jüdische Bildungseinrichtung, dann missbrauchten die Nationalsozialisten sie als Sammelstelle für Deportationen, Gefängnis und Hinrichtungsstätte. Bisher erinnerte die Gedenkstätte im denkmalgeschützten Direktorenhaus an die wechselvolle Geschichte des Ortes. Nun wird sie zu einem zentralen Informationszentrum für alle 21 Kommunen in der Region Hannover umgebaut.

Am Freitag, 19. April, startet die Region Hannover mit einer feierlichen Veranstaltung den Ausbau der Gedenkstätte. Einlass auf dem Gelände der Gedenkstätte Ahlem, Heisterbergallee 10, in Hannover ist ab 10.30 Uhr. Offiziell beginnt das Programm um 11 Uhr. Die Veranstaltung steht allen Interessierten offen. Der Eintritt ist frei.

Mit einem symbolischen ersten Spatenstich eröffnen Regionspräsident Hauke Jagau, Gedenkstättenleiterin Stefanie Burmeister und Architekt Roger Ahrens um 11 Uhr die Umbauarbeiten. Um 11.15 Uhr steht dann die Begrüßung der Gäste durch den Regionspräsidenten im Festzelt an. Im Anschluss stellen Stefanie Burmeister und Roger Ahrens die Neukonzeption der Gedenkstätte zum zentralen Informations-, Bildungs- und Erinnerungsort vor. Grußworte sprechen außerdem:
• Bernd Strauch, Bürgermeister der Landeshauptstadt Hannover
• Dr. Habbo Knoch, Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
• Prof. Dr. Claus Füllberg-Stolberg, Leibniz Universität Hannover
• Michael Fürst, Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen
• Ingrid Wettberg, Liberale Jüdische Gemeinde
• Manfred Böhmer, Niedersächsischer Verband deutscher Sinti
• Hans-Jürgen Hermel, Förderverein der Gedenkstätte Ahlem
• Ruth Gröne, Zeitzeugin


Am 25.07.2014 wird die neue Gedenkstätte der Region Hannover in Ahlem eröffnet. Im ehemaligen Direktorenhaus der jüdischen Gartenbauschule sind auf drei Ebenen Ausstellungen zu sehen. Die Geschichte der jüdischen Gartenbauschule, die Verfolgtengruppen, darunter die Sinti der Region Hannover, die im Gestapogefängnis in Ahlem festgehalten worden waren, die Deportation der jüdischen Bevölkerung Hannovers durch die Nationalsozialisten. In sogenannten Vertiefungsebenen, z.B. auf einen Bildschirm kann man sich auch zur Geschichte der Sinti in Hannover und ihrer Verfolgung informieren. Damit ist es der Region auch mit unserer Unterstützung gelungen, einen Erinnerungsort auch für uns Sinti zu gestalten und einen Lernort zu schaffen, an dem sich besonders Schüler über die Geschichte der Sinti und ihrer Verfolgung informieren können.


Die neue Gedenkstätte Ahlem
Zu einem zentralen Informations-, Bildungs- und Gedenkzentrum ausgebaut: Feierliche Eröffnung der neue Gedenkstätte Ahlem am 25. Juli 2014.

Die Gedenkstätte Ahlem ist ein bundesweit einmaliger Erinnerungsort: Erst diente die ehemalige Israelitische Gartenbauschule als jüdische Bildungseinrichtung, dann missbrauchten die Nationalsozialisten sie als Sammelstelle für Deportationen, Gefängnis und Hinrichtungsstätte.
Ausbau der Gedenkstätte Ahlem
Um der historischen Bedeutung dieses Ortes gerecht zu werden, wurde die Gedenkstätte in den vergangenen 15 Monaten zu einem zentralen Informations-, Bildungs- und Gedenkzentrum ausgebaut.

Veranstaltung am 25. Juli
Am Freitag, 25. Juli, eröffnet die Region Hannover mit einer feierlichen Veranstaltung die neue Gedenkstätte Ahlem.
Einlass auf dem Gelände der Gedenkstätte Ahlem, Heisterbergallee 10, in Hannover ist ab 10.00 Uhr.
Symbolische Eröffnung
Die symbolische Eröffnung durch  Regionspräsident Hauke Jagau und Gedenkstättenleiterin Stefanie Burmeister erfolgt um 11 Uhr. Hauke Jagau begrüßt um 11.15 Uhr die Gäste im Festzelt, der Historiker Prof. Dr. Peter Longerich spricht über "Geschichte und Erinnerung".
Prof. Dr. Peter Longerich
© Leonie Lallemand



Mit Zeitzeugen durch die Ausstellung
Nach dem Empfang führt der Regionspräsident gemeinsam mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen durch die neuen Ausstellungsräume.
Redner
Grußworte sprechen: Stefan Schostok, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, Barbara Traub vom Zentralrat der Juden in Deutschland, Manfred Böhmer, Niedersächsischer Verband Deutscher Sinti e.V., sowie Gerda Steinfeld, Überlebende des KZ Theresienstadt, und Ernest Wertheim, ehemaliger Gärtnerlehrling der Israelitischen Gartenbauschule. Zur feierlichen Eröffnung werden rund 75 Gäste aus den USA, Südamerika, Israel, Polen, Riga, Frankreich, Großbritannien sowie den Niederlanden erwartet, die mit Ahlem ein Stück ihrer Lebensgeschichte verbinden. Sie sind vom 22. bis zum 28. Juli zu Besuch in der Region.



 


Nach 15 Monaten Bauzeit feierlich eröffnet: Die neue Gedenkstätte Ahlem steht seit dem 25. Juli für Besucherinnen und Besucher offen. Regionspräsident Hauke Jagau, Architekt Roger Ahrens, Barbara Traub vom Zentralrat der Juden in Deutschland sowie Manfred Böhmer vom Niedersächsischen Verband deutscher Sinti schnitten im Beisein von rund 400 geladenen Gästen sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus dem In- und Ausland das symbolische Band durch und luden zu einem Rundgang durch die neuen Ausstellungsräume und den Außenbereich ein.

Stefan Schostok, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, Barbara Traub vom Zentralrat der Juden in Deutschland und Manfred Böhmer vom Niedersächsischen Verband Deutscher Sinti sprachen Grußworte
. Der Historiker Prof. Dr. Peter Longerich gab seinen Gedanken zur Neueröffnung der Gedenkstätte Ahlem in einem Vortrag mit dem Titel “Geschichte und Erinnerung” Ausdruck. Der feierliche Empfang mit koscheren Speisen wurde musikalisch begleitet von Andor Izsák, Gitanes Blondes, Di Finkelstein Kapelye sowie Bogdan Dragus. Zu Gast war auch eine Delegation, die mit Landrat Moti Dotan aus Unter Galiläa, dem Partnerkreis der Region Hannover, angereist ist.

“Die Gedenkstätte Ahlem soll ein Erinnerungsort sein für die 2.946 Menschen, für die Ahlem eine Station auf dem Weg in den Tod war. Sie soll aber auch ein außerschulischer Lern- und Informationsort für die nachwachsenden Generationen sein”, erklärte Regionspräsident Hauke Jagau bei der Eröffnung. “Die Geschehnisse während der Zeit des Nationalsozialismus dürfen niemals vergessen oder verdrängt werden, sie müssen als Mahnung auch kommenden Generationen im Bewusstsein bleiben”, betonte Oberbürgermeister Stefan Schostok in seinem Grußwort.

“Die Gedenkstätte Ahlem ist künftig in einem Zug zu nennen mit dem ‘Braunen Haus’ in München, mit dem EL-DE-Haus in Köln oder Einrichtungen wie dem Centre d’Histoire de la Résistance et de la Déportation (CHRD) in Lyon”, sagte Barbara Traub vom Zentralrat der Juden in Deutschland.

Ansprachen gab es außerdem von der Zeitzeugin Gerda Steinfeld sowie von dem Zeitzeugen Ernest Wertheim. Bis zu ihrer Deportation in das Konzentrationslager (KZ) Theresienstadt im Juni 1932 hatte Gerda Steinfeld vom Winter 1941 bis zur Schließung im Sommer 1942 die Schule in Ahlem besucht. Nach ihrer Befreiung aus dem KZ war sie nach Hannover zurückgekehrt und hatte die Zeit erlebt, in der auf dem Gelände ein Kibbuz “Zur Befreiung” eingerichtet wurde. In den 1950er Jahren war Gerda Steinfeld nach Israel ausgewandert, wo sie heute lebt.

Ernest Wertheim war von 1934 bis 1937 Gärtnerlehrling in der Israelitischen Gartenbauschule; diese Zeit prägte auch seinen beruflichen Werdegang. Ihm gelang die Emigration in die USA, wo er durch sein Wissen im Gartenbau beruflich Karriere machte. Ernest Wertheim gilt heute als der “Erfinder des Gartencenters” und hält noch immer weltweit Vorträge über Gartenbau und sein bewegendes Leben.

Die neue Gedenkstätte

Auf dem Gelände der ehemaligen Israelitischen Gartenbauschule ist ein Informations-, Bildungs- und Gedenkzentrum entstanden, dessen Strahlkraft weit über die Grenzen der Region Hannover hinausreicht. Das Besondere des Ortes liegt darin begründet, dass er von jüdischer Kultur und Hoffnung, aber auch von Verbrechen und Vernichtung zu berichten weiß: Von 1893 an wurden an der Heisterbergallee jüdische Jungen und Mädchen in Gartenbau und Handwerksberufen ausgebildet. Dann kamen 1941 die Nazis und missbrauchten den Ort als Sammelstelle für Deportationen. Ab 1943 waren Folter – später Morde – in dem “Polizei-Ersatzgefängnis” für Zwangsarbeiter, politische Häftlinge, Sinti und Roma bis zur Befreiung blutiger Alltag. Die neue Gedenkstätte macht das eine wie das andere Kapitel der Geschichte sichtbar.

Umbau und Neugestaltung

In einem europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb für die Neugestaltung der Gedenkstätte hatte die Arbeitsgemeinschaft Ahrens Grabenhorst Architekten, IKON Ausstellungsgestaltung und Landschaftsarchitekt Marcus Cordes (chora blau) für ihren Entwurf 2011 den ersten Preis zugesprochen bekommen. “Uns war es wichtig, dass sich die bewegte Geschichte der Gartenbauschule mit all ihren Brüchen auch in der Architektur spiegelt”, so Architekt Roger Ahrens. Nach seinen Plänen wurde das ehemalige Direktorenhaus an der Heisterbergallee kernsaniert und ausgebaut.

Ein neues Eingangsgebäude ist entstanden, dessen gläsernes Foyer den Blick auf den Außenbereich der Anlage lenkt. Dieser nimmt in seiner Gestaltung Bezug auf den alten Schulgarten. Er wurde vom Landschaftsarchitekten Marcus Cordes gestaltet: “Mit der Überlagerung und Durchdringung der in das Parkgrundstück integrierten Schulgartenstrukturen sowie den als Rasenschneisen ausgebildeten Fluchtlinien wird die für die Geschichte dieses Ortes so bezeichnende Ambivalenz hervorgehoben.” Ein Weg parallel zur Heisterbergallee verbindet die unterschiedlichen Bereiche der Dokumentations- und Gedenkstätte miteinander.

Bei den Umbauarbeiten wurden im Treppenhaus des Gebäudes alte Wandmalereien entdeckt, die nach historischem Vorbild wiederhergestellt werden konnten. “Diese überraschende Kostbarkeit wollten wir gern bewahren”, berichtet Gedenkstättenleiterin Stefanie Burmeister. Im 2. Obergeschoss des Gebäudes wurden im Zuge der Arbeiten außerdem Säulen freigelegt und in das neue Raumkonzept integriert.

Die Kosten für die Umgestaltung der Gedenkstätte Ahlem belaufen sich auf rund 6,3 Millionen Euro, die von der Region Hannover getragen werden. Förderpartner der Umgestaltung sind der Förderverein der Gedenkstätte Ahlem e. V., die Sparkasse Hannover, das Land Niedersachsen, der enercity-Fonds proKlima, die Stiftung Niedersachsen, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie die Klosterkammer Hannover.

Ausstellung und pädagogisches Konzept

Für den denkmalgeschützten Altbau hat ein Team aus Historikerinnen und Historikern, Politologinnen und Politologen, Pädagoginnen und Pädagogen sowie die Firma IKON Ausstellungsgestaltung ein neues Ausstellungkonzept erarbeitet. Ausstellungsmacherin Martina Scheitenberger: “Die Ausstellungsarchitektur interpretiert die verschiedenen Zeitschichten der Israelitischen Gartenbauschule und macht sie lesbar.”

Die Wände der knapp 400 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche sind in gedecktem Blau und Beige gestrichen und mit Texten, Fotos sowie Bildschirmen versehen worden. Auf ihnen sind Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu sehen. Informationsstelen geben ebenfalls Auskunft zu einzelnen Aspekten der Ausstellung.

Im ersten Obergeschoss der Ausstellung liegt der Fokus auf Verfolgung und Ausgrenzung während des Nationalsozialismus in Ahlem. Das zweite Obergeschoss ist dem deutsch-jüdischen Leben in der von dem Bankier Moritz Simon gegründeten Gartenbauschule gewidmet. Dieser Bereich stellt die Geschichte in den Jahren von 1893 bis 1942 und nach der Befreiung 1945 dar. Im Dachgeschoss befinden sich modern ausgestattete Seminarräume. Im Sockelgeschoss des Neubaus bietet ein Veranstaltungsraum Platz für Lesungen, Sonderausstellungen und Zeitzeugengespräche. Im Erdgeschoss befindet sich eine Mediathek.

“Wir freuen uns auf interessierte und aktiv forschende Besucherinnen und Besucher, denen wir unsere Dokumente mit modernen Medien zugänglich machen möchten”, erklärt Stefanie Burmeister. “Fragen, entdecken, verstehen”, so das Motto des pädagogischen Angebots, das von kurzen Führungen über mehrtägige Workshops bis hin zu langfristigen Projekten reicht. Ein Team von Pädagoginnen und Pädagogen steht Schulklassen und -gruppen ebenso wie Lehrkräften ab dem Schuljahr 2014/2015 zur Seite, begleitet sie durch die Räumlichkeiten und beantwortet Fragen.

Öffnungszeiten der Gedenkstätte Ahlem

Die Gedenkstätte Ahlem ist zu folgenden Zeiten für Besucherinnen und Besucher geöffnet: Di. und Mi. 10-17 Uhr, Do. 10-19 Uhr, Fr. 10-14 Uhr, So. 11-17 Uhr. Mo., Sa. und an Feiertagen geschlossen. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen zur Gedenkstätte Ahlem sind im Internet abrufbar unter: www.gedenkstaette-ahlem.de


Eröffnung Gedenkstätte Hannover Ahlem
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